Parfüm statt Punk

Iggy Pop, der coolste Punk-Opa aller Zeiten, macht plötzlich „in Düfte“. Im Klartext: Er wirbt für Parfüm. Und bekommt dafür wahrscheinlich die Kohle, die er dringend braucht, um den gewohnten Standard für seinen Lebensabend aufrechtzuerhalten. Einfacher lässt sich im Showbiz kein Geld verdienen! parfum Die großen Parfümhersteller greifen sich bekannte Gesichter aus Musikbranche oder Film und hoffen auf doppelte Kasse. Diese Rechnung scheint aufzugehen. Zum Beispiel macht Iggy Pop auch in der Werbung das, was er schon immer am besten konnte: Auffallen. Er wirbt nicht für Patchouli, die urbane Duftnote der Punks schlechthin, sondern für ein süßlich-edles Parfüm für Mann und Frau vom Kult-Avantgardisten Paco Rabanne. Das regt auf, das fällt auf, das wird gekauft – so die Hoffnung der Parfüm-Designer. Sein sehniger Körper kann sich dabei allemal noch sehen lassen, oder nicht? Iggy Pop kassiert, genießt, schweigt und nimmt die Sache wohl selbst nicht allzu ernst. Er macht auf den Hochglanzfotos zwar ein absolut ernstes Gesicht und wirkt gewohnt grimmig – aber das täuscht. Was sein alter WG-Kumpel David Bowie wohl zu diesem Werbe-Ausflug sagen würde? Wahrscheinlich: „Hey, du Typ, haste noch’n Platz für mich frei?“ Gönnen wir dem Ur-Punker Iggy Pop seine Finanzspritze fürs Alter. Wenn’s denn Spaß macht. Promis und Werbung „Niemals Werbung!“, schreien viele Stars. Dabei meinen sie jedoch Waschmittel, Versicherungen oder sonst irgendwas Uncooles. Für edle Düfte, exklusive Mode oder Möbel halten sie ihr Gesicht und ihren Körper gern teuer in die Kamera. In Deutschland wirbt beispielsweise Heiner Lauterbach aktuell für Luxus-Wohn-Design-Möbel, die angeblich für jedermann erschwinglich sein sollen. „Unser aller Heidi“ präsentiert ihr (noch) faltenfreies Gesicht in der Parfüm-, Kosmetik- und Haarwasch-Werbung, das ehemalige „Vollweib“ Christine Neubauer stakst erschlankt und hölzern durch einen WW-Werbespot, während Barbara Schöneberger genüsslich Kartoffelsalat mampft und werbewirksam zu ihren sympathischen Pfunden steht. Wer wäre noch zu nennen? Ach ja: Justin Timberlake. Das Sexsymbol der neuen Generation ab 30 aufwärts ist ebenfalls in der wohlriechenden Werbebranche angekommen und darf ab sofort auf Plakaten und im Fernsehen bewundert werden. Der Beau mit dem kleinen Handicap im Face präsentiert mit fitnessgestähltem, glänzendem Oberkörper den neuen Duft „Play Sport“ von Givenchy – immerhin in der Herrenversion. Dahin muss es Iggy Pop erst noch schaffen!